KOLUMNE
Unvergessen: Goldie Hawn als OP-süchtige Schauspielerin in der Midlife-Crisis – Auftakt zur vergnüglichen Komödie „The first wives Club“ – „Der Club der Teufelinnen“ (1996). Worüber damals Nationen lachten, ist nicht erst seitdem Alltag geworden: Die mehr oder weniger subtile Manipulation des Körpers. Ist ‚Pro’ oder ‚Contra’ wirklich eine Frage? Es heißt, manche könnten, wenn sie mit Schönheitsoperationen einmal angefangen haben, kein Ende mehr finden – wie Goldies Film-Figur, wie Michael Jackson und viele weitere Stars und Politiker-Gattinnen, deren Gesichter auf einmal so etwas Seltsames haben.
Katharina Starlay – Gründerin von stilclub.de
Vielleicht muss man die Frage einfach anders stellen. Es geht nicht darum, ob Beauty-OPs okay sind oder nicht: Es geht darum, ob man damit sein Gesicht verändern – oder es in seinem typischen Ausdruck erhalten möchte (dann zum Beispiel, wenn die Augenlider auf einmal den Blick verhängen oder sinkende Wangenhaut eine charakteristisch markante Kinnlinie erweicht). Wir werden nämlich heute so ver... (pardon) alt, dass wir mit den Folgen des Alterns umgehen müssen.
Früher, ganz früher, als Medizin noch nicht so weit war und Hygiene etwas für die Aristokratie, war man nämlich bereits verstorben, bevor man Falten, hängende Augenlider und schlaffe Wangenpartien bekam. Die Frauen starben wahlweise an Infektionen oder im Kindbett, die Männer auf der Jagd. … ach nein, das war ja noch früher, aber Sie wissen, was gemeint ist. Anders, wenn man die Fortschritte der Medizin nutzt, um sich einen tiefen Wunsch zu erfüllen. Das Kind, dass in der Schule wegen seines Doppelkinns oder seiner abstehenden Ohren gehänselt wurde, kann als Erwachsener (oder auch früher) etwas dagegen tun – und seinen Weg in einem mobbing-befreiten Alltag fortsetzen.
Wer öfter abgelichtet wird, kennt sich im Jargon der Beauty-Fotografen ein bisschen aus. Als digitale Fotografie noch kein Thema war, bestand die Kunst des Fotografen darin, die charakteristischen Eigenschaften eines Gesichtes zu erkennen und auf Celluloid zu bannen. Licht und Make-up (Maske) spielten eine genauso wichtige Rolle wie der Winkel der Kamera, der Hintergrund, die Stimmung zwischen Künstler und Objekt und die ISO-Zahl des Filmmaterials. Ein guter Fotograf war eben einer, der das alles konnte: Einen Menschen (oder auch eine Sache) durch die Inszenierung gut aussehen zu lassen. Interessant, fesselnd.
Manchmal verbrachte man Stunden damit, lächelnd darauf zu warten, dass der Fotograf die Feineinstellung gemacht hatte, bevor er abdrückte. Denn Filmmaterial war teuer. Heute ist das alles anders: Ein misslungener Schuss wird einfach wieder gelöscht – und Fotografen werben damit, besonders gut in der digitalen Retouche zu sein. ‚Gut’ sind sie dann so gründlich, dass öffentliche Fotos in Xing & Co. eine verdächtige Einheitlichkeit erhalten. Da strahlt ein faltenfreies Lächeln aus dem Profil eines gestandenen Mittfünfzigers – oder die Bewerberin auf den Top-Job erscheint mit 10 Kilogramm wahrgenommener Gewichtszunahme zum Vorstellungsgespräch, die sie in der Bearbeitung des Fotos verloren hatte. … So wie diverse Top-Models, die ihre Figur der Photoshop-Diät zu verdanken haben.
Also Mädels (und Jungs): Hungern auf Size Zero ist ab jetzt out. Und den Rest erledigt dann geschickte Kleidung – wie ganz früher.
Ihre Katharina Starlay
Mehr Kolumnen von Katharina Starlay:
Jeans-on | Drunter und drüber | Stil contra Fashion | Relax – you’re dressed | Die Sache mit Dorain Gray | Damenschuhe – Ladykiller | Luxus in Zeiten des Internets | Haarige Geschichten | As time goes by | Je Blazer desto Chef
Gastkolumne(n):
Die Kleidung kommuniziert – von Foad Forghani