KOLUMNE
Umzugsunternehmen können eine Stilikone von einem Fashion-Victim unterscheiden – wetten?
Während die erste eine überschaubare Garderobe hat und entsprechend wenig Umzugskartons packen musste, konnte sich die zweite schon im Laden nicht entscheiden und hat vorsichtshalber gleich drei angesagte Farben vom selben Artikel gekauft (die sie seitdem nicht getragen hat). Da ihr das bei so ziemlich jedem „Must have“ der Saison so geht, hat sie über die Jahre eine Garderobe aufgebaut, die ganze Schulklassen von Mädchenaugen zum Leuchten bringen würde.
Katharina Starlay – Gründerin von stilclub.de
Nur jetzt, beim Umzug kommt sie ins Grübeln. Sechs (oder acht oder zehn) Hängekartons, zwölf Kisten Liegeware und fünf Kartons mit Schuhen (ohne die Schuhkartons, versteht sich)? Da schnauft sogar der Umzugshelfer. [mehr]
Das Dumme an umfangreichen Garderoben ist: Meistens ist, was man an genau diesem Abend gerne anziehen würde - diese einzigartige Kombi, die einen unvergesslichen Abend verspricht - ohnehin nicht dabei! Weil ein Teil nicht zum nächsten passt. Weil die Farben nicht kombinierbar sind. Weil Teile der Garderobe Trends abbilden, die sich genau datieren lassen – und wer möchte schon die IT-Bag der vorletzten Saison ausführen? (Nur weg werfen geht eben auch nicht – dafür war sie zu teuer!) Hinzu kommt, dass sich die Persönlichkeit immer weiter entwickelt und dass damit zu rechnen ist, dass Kleidungsstücke, die vor zwei Jahren zum Typ passten, heute auf einmal ihre Wirkung verfehlen.
Wer ein großes Budget hat, um die Garderobe, die Umzugshelfer und höhere Mietzahlungen für die vielen Kubikmeter Schrank zu finanzieren, kann sich im Modemarkt weiterhin austoben. Wer das nicht will, wird schon aus praktischen Überlegungen von der Fashionista zur Stilexpertin in eigener Sache. Dazu gehört, dass man Garderobenmanagement betreibt, die Garderobe also so übersichtlich hält, dass man noch weiß, was man besitzt. Da hat jeder sein eigenes System: Der eine sortiert nach Ober-/ Unterteilen, der nächste nach Warengruppen (Shirts, Blusen, Pullover getrennt) und wieder der nächste hängt sich die Kombinationen passend zusammen. Die wichtigen Kleidungsstücke mit der größten Fläche, zum Beispiel Mäntel, Anzüge, Jacken sollten sehr gut in der Qualität sein, perfekt passen und in Stil und Farbe zum Typ passen. Das tun sie dann, wenn sie die Linie des Körpers wieder aufnehmen und den Charakter der eigenen Farben (Haut, Haare, Augen) wieder reflektieren. Wenn Sie dann noch darauf achten, dass die Stoffe miteinander kombinierbar sind, ist die Garderobe schon viel variabler als bei einem Medley faszinierender Einzelteile. Die nämlich – und das ist wichtig! – sollten nicht die Basis, sondern die Highlights im Kleiderschrank ausmachen.
Wer überlegt einkauft, hat kleine Stoffabschnitte der eigenen Grundgarderobe (Sie haben bestimmt Änderungen machen lassen, damit sie toll sitzt!) zum Material- und Farbvergleich bei sich. Eine so funktionsfähig gewordene Garberobe lässt sich dann mit extravaganten Einzelteilen ergänzen, die aber nicht zwingend Trendstücke sein müssen. Die finden Sie manchmal an anderen Orten, idealerweise da, wo Kleidung nicht in Serie, sondern einzeln verkauft wird. So werden Sie immer sicherer, dass Ihre Garderobe keine Sammlung von Moden ist (die für einen Massenmarkt, nicht aber für SIE kreiert werden), sondern Spiegel Ihrer einzigartigen Persönlichkeit. Ganz nach Coco Chanel: „Mode ist vergänglich – Stil niemals“.
Ihre Katharina Starlay
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