GASTKOLUMNE

7 Fragen zu Umgangsformen beim Geschäftsessen
von stil.de

Besteckordnung, Zuprosten & Co. Auch wer eigentlich stilsicher ist, hat bei wichtigen oder größeren Events die eine oder andere Frage. Und nun steht auch noch die Saison der Weihnachtsfeiern bevor! Damit Sie sich wohl fühlen und stilsicher durch Ihre Termine kommen, haben wir zum Thema Tischkultur um einen Gastartikel der Internetplattform stil.de gebeten:

Beim Business-Lunch oder einem geschäftlichen Abendessen tauchen viele Fragen auf: Welches Glas gehört zu welchem Gang? Wann ist der richtige Zeitpunkt um über Geschäftliches zu sprechen? Im Folgenden beantworten wir Ihnen 7 wichtige Fragen zum Thema Geschäftsessen.

Wie gehen Sie richtig mit der Serviette um?

Häufig finden Sie die Serviette aufwändig dekoriert auf Ihrem Teller, so ist sie Ihnen jedoch im Weg. Legen Sie die Serviette zunächst flach neben den Teller und erst zum Essen auf Ihren Schoß. Dabei wird die Serviette zur Hälfte gefaltet und mit der offenen Seite zum Mund auf den Oberschenkeln abgelegt.

Für den Gebrauch der Serviette gilt: Wischen Sie nicht, sondern tupfen Sie den Mund mit der Serviette ab, bevor Sie zum Glas greifen. Dazu benutzen Sie die Innenseite der Serviette, so dass unschöne Flecken im Inneren versteckt bleiben.

Wenn Sie kurz aufstehen müssen, legen Sie die Serviette links neben dem Teller ab. Sie auf dem Stuhl abzulegen gilt in Mitteleuropa als unhygienisch. Sollte Ihnen die Serviette herunterfallen, bitten Sie den Service um eine neue Serviette.

Wann verwenden Sie welche Besteckteile?

Die Grundregel, für ein Menü die verschiedenen Besteckteile von außen nach innen zu benutzen, gilt unverändert.

Wenn im Restaurant für eine Gruppe ein Menü vorbestellt ist, wird auch dementsprechend eingedeckt. Im Normalfall finden Sie aber keine Überfülle an Besteckteilen vor. Niemand kann ahnen, ob ein Gast ein Menü bestellt oder wie viele Gänge er ordern wird. Das seitens der Gastronomie vorgesehene Grundgedeck ist sehr verschieden. Es kann von einem Besteck über den Zusatz eines Suppenlöffels bis hin zu mehreren Teilen, einschließlich des Dessertbestecks, reichen.

Sie als Gast brauchen sich darüber keine Gedanken zu machen. Wenn Sie bestellt haben, wird dementsprechend um- oder abgedeckt. Der Service würde beispielsweise entsprechend Ihrer Bestellung das Fleischbesteck durch ein Besteck für Fisch ersetzt.

Haben Sie den Durchblick bei der Gläserfolge?

In einem gehobenen Restaurant stehen meist mehrere Gläser vor Ihnen – und ein geübtes Auge kann die einzelnen Gläser bestimmten Getränken zuordnen. Aber keine Sorge: Das Service-Personal nimmt Ihnen die Entscheidung, welches Glas zu welchem Getränk gehört, ab. Denn: Man wird Ihnen einschenken und die überflüssigen Gläser abräumen.

Wichtig: Fassen Sie Stielgläser immer auch am Stiel an! So vermeiden Sie unschöne Fingerabdrücke am Glas.

Zuprosten oder anstoßen? – Alles eine Frage des Getränks

Der Gastgeber erhebt das Glas und blickt allen Gästen kurz in die Augen: „Zum Wohl!“ oder „Auf einen schönen Abend!“. Die Gäste blicken ebenfalls in die Runde und nicken einander zu. Zuprosten gilt als feiner als Anstoßen.

Wenn es etwas zu feiern gibt, Sie in kleiner Runde sind oder alle Gäste Wein, Sekt oder Mineralswasser trinken, ist Anstoßen kein Fauxpas. Mit Longdrinks, Cocktail-Gläsern, Kaffeetassen oder Bier wird nicht angestoßen.

Der Griff zum Brotkorb: Brechen, Reißen, Schneiden?

Wird Brot zum Essen gereicht, wird es meist in einem Brotkorb eingedeckt. Nehmen Sie den Korb in die Hand, bieten Sie zuerst Ihren Sitznachbarn ein Stück an, bevor Sie sich selbst bedienen und ein Brot auf den Brotteller links neben Ihrem Gedeck legen. Brot wird nicht abgebissen und auch nicht wie ein Frühstücksbrötchen halbiert und bestrichen, sondern gebrochen.

Gehen Sie wie folgt vor:

1. Brechen Sie ein kleines mundgerechtes Stückchen ab.
2. Nehmen Sie Ihr Brotmesser, und geben Sie gegebenenfalls etwas Butter auf das abgebrochene Stückchen.
3. Befördern Sie den mundgerechten Happen in den Mund, und brechen Sie dann ein neues Stückchen ab.

Was hat es mit der „Bestecksprache“ auf sich?

Die Bestecksprache ist wichtig für den Service, da es sonst zu Missverständnissen kommen kann. Wenn Sie mit dem Essen fertig sind, legen Sie das Besteck parallel zueinander auf die Position „20-nach-4“. Damit signalisieren Sie dem Service: „Ich bin fertig – Sie können abräumen.“
Machen Sie nur eine kurze Essenspause, legen Sie das Messer mit der Spitze und die Gabel mit den Zinken zur Tellermitte ab. Ist der Teller zu klein, kreuzen Sie die Besteckteile leicht („20-nach-8“).

Bestecksprache

Merken Sie sich: Einmal benutztes Besteck, berührt nicht mehr den Tisch.

Aber wann ist nun der richtige Zeitpunkt, um über Geschäftliches zu sprechen?
Beim Essen sollte nicht das Geschäft, sondern der Mensch im Mittelpunkt stehen. Bringen Sie geschäftliche Themen nicht zu früh auf den Tisch. Sie könnten auf den Magen schlagen und den Appetit gründlich verderben.

Nach dem Dessert oder Kaffee, wenn man gut gesättigt und einander wohlgesinnt ist, ist der richtige Moment für einen kurzen Schlenker zum Geschäftlichen. Harte Verhandlungen jedoch gehören in den Konferenzraum und nicht an den Esstisch. Es sei denn, es wurde offiziell zu einem Arbeitsessen geladen.

Weitere Tipps zum Thema Tischsitten finden Sie auf www.stil.de.

 

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