Katharina Starlay im Gespräch

viaWALA 18 (2015)
(Artikel als PDF)

»Von der Sorgfalt der Auswahl«

INTERVIEW: ELISABETH MENZEL; FOTOS: STEPHANIE SCHWEIGERT

Katharina Starlay weiß, was gute Produkte ausmacht. Wir sprachen mit der Stilexpertin über Großmutters Kaufverhalten, ökologische Verantwortung, Qualität im Verkaufsprozess und die Kunst, wohlüberlegt zu konsumieren.

Warum sind Sie der Meinung „billig kaufen heißt zweimal kaufen“?

Katharina Starlay: Schon unsere Großmütter vertraten die Ansicht: „Wir haben kein Geld für billige Sachen.“ In meinen Büchern möchte ich diese klare Haltung bewahren und für die moderne Zeit übersetzen. Denn Wertebewusstsein geht verloren, wenn wir nicht kontinuierlich darüber sprechen. Ich selbst komme aus dem Textilbereich und bin staatlich geprüfte Modedesignerin. Oft habe ich den Eindruck, der aktuelle Trend führe uns gezielt weg vom Qualitätsdenken. Schnelldrehende Märkte, die vor allem Konsumgüter umsetzen, funktionieren nämlich besser, wenn die Kunden ihre Augen vor der Realität verschließen. Unsere Großmütter kauften immer nach durchdachten Maßstäben: Ein junger Mann, der für seine erste Arbeitsstelle mit neuen Schuhen ausgestattet wurde, sollte diese jahre- oder sogar ein Leben lang tragen können. Das ging natürlich nur, wenn die Schuhe exzellent verarbeitet waren. Heute ist eine so genannte Sollbruchstelle Pflicht für viele Hersteller – weil sie sich sonst selbst das Geschäft verderben.

War früher alles besser?

Katharina Starlay: Nein. Denken Sie nur an die technischen Möglichkeiten, die wir heute in der Produktion haben. Wir können Abwässer reinigen, Luft filtern und vieles mehr. Das sind wunderbare und sehr hilfreiche Entwicklungen, die wir unbedingt nutzen sollten, um unsere Erzeugnisse nachhaltiger zu machen. Ökologische Verantwortung war vor 50 Jahren noch kein Thema.

Ist „preiswert“ ein Synonym für „billig“?

Katharina Starlay: Im wörtlichen Sinn bedeutet der Begriff, dass ein Produkt seinen Preis wert ist. Oft sagen wir „preiswert“, meinen aber eigentlich „geringwertig“.
Wer billige Produkte produziert, spart an den Grundmaterialien, an der Verarbeitung – oder an beidem. Was mir übrigens positiv aufgefallen ist: WALA setzt stärker auf den Wert der Produkte und investiert weniger in Werbung!

Stimmt …

Katharina Starlay: Sie schalten keine groß angelegten Kampagnen oder Werbespots. Das ist in meinen Augen authentisch.

Vielen Dank für dieses Lob. Wie soll man Ihrer Meinung nach einkaufen?

Katharina Starlay: Anspruchsvoller und nachhaltiger Konsum beginnt damit, dass ich mir Gedanken mache. Was erwarte ich von dem Produkt, das ich kaufen will? Welchen Zweck soll es erfüllen, welches Preis-Leistungs-Verhältnis aufweisen? Und wie möchte ich mich fühlen, wenn ich es verwende? Ich halte nichts davon, einfach loszuziehen und wahllos Geld auszugeben. Ein Beispiel: Wenn ich vorhabe, mir einen neuen Duft oder eine hochwertige Gesichtspflege zu gönnen, ziehe ich etwas Schönes an, sorge für gute Stimmung und esse vorher vielleicht noch etwas Gutes. Ein derart zelebrierte Einkauf bleibt in Erinnerung.

Nach welchen Kriterien lässt sich ein Produkt bewerten?

Katharina Starlay: Zum Beispiel hinsichtlich Verarbeitung, Haptik, Optik,
Sensorik und Verträglichkeit – dies kann je nach Produktgruppe variieren. Ein wichtiger Punkt ist der bereits erwähnte Abgleich mit meiner Erwartung. Auch das Thema Beratung ist entscheidend. Es gibt nämlich eine besondere Qualität im Verkaufsprozess: Gute Beratung muss etwas wert sein – und kann das Einkaufsergebnis entscheidend verbessern.

Was meinen Sie damit?

Katharina Starlay: Das beste Produkt ist nicht immer das teuerste, sondern dasjenige, das am genauesten auf mein Bedürfnis abgestimmt ist. So braucht meine Haut im Frühling vielleicht eine ganz andere Pflege als im Sommer oder Winter. Qualität hat also mit der Sorgfalt der Auswahl zu tun. Das braucht natürlich Zeit, gehört aber zum Kern der Qualität. Ich muss mir selbst wertvoll genug sein, innezuhalten und zu überlegen, was ich wirklich benötige. Nachhaltig zu handeln ist aber nicht gleichzusetzen mit Verzicht. Ich muss nur die richtigen Produkte für mich finden – dann werfe ich auch weniger weg. Mode ist nicht das oberste Gebot, weder bei Kleidung noch bei Kosmetik. Ausgebildete Fachleute können uns in diesen Überlegungen kompetent unterstützen.

Da wir von Mode sprechen: Beeinflusst das Internet unser Kaufverhalten?

Katharina Starlay: Es erweitert unseren Horizont. Wir können uns gründlich informieren, neue Aspekte, Möglichkeiten und Produktwelten kennen lernen – das finde ich toll. Aber bei Waren mit hohem Anspruch, die wir am Körper tragen oder auf der Haut anwenden, steht das Internet sozusagen zwischen Mensch und Produkt. In diesem Zusammenhang empfinde ich das Netz als „Sorgfaltsverhinderer“.

Auch beim Online-Shopping sollten wir kritisch bleiben und gut abwägen. Welche Macht hat der Konsument mit seinem Geldbeutel?

Katharina Starlay: Mit jedem Kauf bestätige ich dem Hersteller einen Bedarf. Dessen muss ich mir bewusst sein. Historisch gesehen kommen Revolutionen immer „von unten“. Wenn wir Konsumenten uns zusammentun, können wir mehr verändern, als wir ahnen. Viele kleine Funken verbinden sich irgendwann zu einem großen Feuer – wenn die Idee stimmt und der Zeitpunkt passt.

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