Katharina Starlay im Gespräch

Tiroler Tageblatt (12.04.2016)
(Artikel als PDF)

»Ein Stil für alle Ewigkeit«

INTERVIEW von Andrea Wieser-Schönitzer am 12. April 2016

Wie würden Sie den Stil von Queen Elizabeth II beschreiben?

Katharina Starlay: Klassisch im Schnitt, dekorativ und repräsentativ in Stoffen und Details. Diese Frau lebt qualitative Werte und den Dienst an ihrem Volk – ein Grundverständnis, das an anderen Stellen der Macht oft fehlt. Die Leute wollen etwas sehen, ob Fans, Volk oder Follower. Elisabeth II bedient diese Erwartungen.
Gleichzeitig ist bei „unserer“ global empfundenen Queen immer dieser Touch der textilen britischen Stoffkunde von Tweed und volumigen Stoffen in Kombination mit pastelligen Tönen vorherrschend, der die traditionellen Werte von Handwerk bis Zuverlässigkeit spiegelt. Das ist Teil ihres Markenimage. „Style is a way to say who you are without having to speak“  trifft bei ihr voll zu.
… leider kenne ich den Zitatgeber für diese wunderbaren Worte nicht.

Was macht den Stil so einzigartig?

Katharina Starlay: Sie hat es auf unnachahmliche Weise geschafft, hoch dekorative Stoffe, Statussymbole und Farben im immer wieder gleichen Grundmuster zu spielen. Dadurch hat sie die Diskussion, ob sie nun eine Fashion-Ikone oder eine Königin sei, im Keim erstickt. Durch den konsistenten Stil behält sie also eine gewisse Kontrolle im positivsten Sinn.
Heutzutage kämpfen viele Frauen des öffentlichen Interesses damit, von der Mode-Industrie vereinnahmt zu werden, bevor ihre eigentlichen Werte und Inhalte die Menschen erreichen. Das schwächt ihr Bild und die ursprüngliche Aussage. Die Queen ist bei all den äußeren Erwartungen Sie-selbst geblieben, das verdient tiefe Verneigung.

In ihrem dritten Lebensabschnitt sehen wir bei Elisabeth II konsequent Hochgeschlossenes in geraden Schnitten, eine Feminität, die sich auf Stoffe und Farben konzentriert. Das ist so ganz anders als es uns das Modebild heute vorlebt. Dort wird Attraktivität mit Sexiness verwechselt.

Wirkliche Attraktivität ist aber eine Frage der Persönlichkeit. Denn Stil und Dresscode sind nicht das Gleiche. Die Queen hat es geschafft, innerhalb einer von ihr selbst akzeptierten Etikette und auch innerhalb des Protokolls als Persönlichkeit mit Werten wahrgenommen zu werden, das macht es so besonders.

Was ist ihr Trick mit Accessoires?

Katharina Starlay: Der aus sachlicher Betrachtungsweise Overload an Accessoires, diese Kombination aus Schmuckelementen und strukturierten Stoffen mit den königlichen und nicht-wegzudenkenden Hüten wirkt wie eine Uniform, die einerseits in sich ein Blickfang ist – andererseits vertraut wirkt. Und was man kennt, liebt man.
Die Hüte, Ketten und auch das königliche, aus dem Handgelenk kommende Winken vermitteln jedem Betrachter Sicherheit und das Gefühl der Wiedererkennung.

Was können wir von ihr lernen?

Katharina Starlay: Guter Stil ist keine Frage des Egos und der Selbstdarstellung, sondern manchmal auch eine Frage der Rolle, die wir im Wohle anderer wahrnehmen. Kleidung sollte einerseits persönlich – andererseits empfängerbezogen sein. Der Gedanke der Gemeinschaft und der Verantwortung dafür ist bei ihr in jeder Handlung und in jedem Outfit spürbar.
Der Dresscode gibt aber nur den Rahmen vor – wir selbst müssen ihn mit Leben füllen. Das ist wie mit einem Brand, einer Marke: Erst wenn das Werbeversprechen auch gelebt wird, ist die Marke glaubwürdig.

Wir wissen nicht, ob die Queen über Kritik an ihrem Geschmack gekränkt war und ist, aber geändert hat sie ihren Look deswegen auf keinen Fall. Was schließen sie daraus?

Katharina Starlay: Dass sie ein starker Charakter ist. Und dass sie „die Sache“ über ihre persönliche Eitelkeit stellt. Außerdem kennt sie ihre Körperlinie und hat immer die für sie richtigen Schnitte gewählt, die dazu passen.
Sicherlich hat sie viel Wissen über Stil, Formen und Farbe, das heute nicht mehr vermittelt wird.

Welche Stil-Vorbilder hat die Queen wohl selbst?

Katharina Starlay: Sie hat sich aus jeder modischen Dekade das heraus gesucht, was zu ihr passt. Die geraden „chaneligen“ Schnitte für Kostüme mit kurzen Jacken,  Kleidern und Gehröcken/ Mänteln in royaler Länge aus den sechziger Jahren, die weiblichen Elemente aus den expansiven fünfziger Jahren und weiteren späteren Mode-Epochen. Sie hat sie alle erlebt und hat für sich das jeweils Passende heraus gesucht.

Wann hat die Queen Ihrer Meinung nach einen modischen Fauxpas begangen?

Katharina Starlay: Liebe Frau Wieser-Schönitzer, diese Frage möchte ich nicht beantworten. Ich hoffe, das ist für Sie okay.

 

Katharina Starlay im Gespräch


»Zum 90. Geburtstag von Queen Elisabeth II.«
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