Katharina Starlay im Gespräch

Anangu –  Fashion. Lifstyle. Networking vom 1. August 2012
(Download als PDF)

Die richtige Kleidung ist ein Partner auf dem Weg nach oben

Mode und Stil prägen den ersten Eindruck, den man macht – und der ist ja bekanntlich entscheidend. Dieser erste Eindruck (und alle folgenden) kann mit der falschen Kleidung durchaus unangemessen ausfallen, denn in Wirtschaft und einzelnen Branchen gelten jeweils ganz eigene, unausgesprochene Dresscodes und Regeln. In ihrem Buch »Stilgeheimisse« und in Seminaren bringt Katharina Starlay ihren karrierebewussten KlientInnen bei, an ihrem Auftreten zu arbeiten – und natürlich am Stil und der passenden Kleidung.

Wieso spielt Aussehen in unserer Gesellschaft eine so große Rolle und kann über
Karrieren entscheiden?

Das Aussehen ist unser Entrée. Die unwiederbringlichen ersten Sekunden eines Kontakts sind zur Hälfte von visuellen Eindrücken geprägt und entscheiden in den ersten Momenten einer Begegnung über Sympathie oder Antipathie. Etwa 35 weitere Prozent des ersten Eindrucks sind emotionaler Natur, das ist das, was wir bei unserem Gegenüber emotional auslösen. Eine positive und gewinnende Ausstrahlung haben wir aber nur, wenn wir uns wohlfühlen. Das macht Kleidung so bedeutend: Sie spiegelt das Naturell und das Befinden ihrer Träger und vermittelt die Botschaft. Oder auch nicht. Natürlich kann eine Aufmachung nicht darüber hinwegtäuschen, wenn jemand inhaltlich nichts zu bieten hat. Aussehen, Auftreten und Benehmen sind aber der Türöffner für gute Gespräche und Verhandlungen. Ein Geschenk, das schön verpackt ist, machen wir ja auch lieber auf.

Wer oder was hat Sie dazu inspiriert, ein Buch über Mode für Karrierefrauen zu
schreiben?

Eigentlich schreibe ich über Stil, nicht über Mode. Dass es auch viel Informationen beinhaltet, die für die Modebranche wichtig und interessant sind, versteht sich von selbst. Zum Beispiel schreibe ich über die Kombination von Mustern und Farben, über Proportionen oder die Schlüsselreize im Kaufverhalten von Modekunden. Das Geschäftsleben hat aber eigene Gesetze, und gerade Frauen, die Top-Positionen anstreben, mangelt es bisher an Vorbildern. Eine Orientierung am Dresscode der Männer kann es nicht sein. Mit »Stilgeheimnisse« gebe ich Orientierung und Sicherheit. Kleidung für diese Frauen muss so selbstverständlich und souverän werden, dass sie nie vom Businesskontext ablenkt und gleichzeitig die Persönlichkeit inszeniert.

Eines Ihrer zentralen Themen ist: »Wie kann ich attraktiv auftreten, ohne zu provozieren?« Wieso gibt es in unserer aufgeklärten Gesellschaft bei dieser Frage
noch Klärungsbedarf?

Weil kreative Mode davon lebt, zu reizen – im positiven Sinn. Gleichzeitig sind wir aber alle so reizüberflutet, dass wir die Nuancen zwischen Reiz und Provokation nicht mehr kennen. Geschäftsleben hat viel mit Strategie zu tun – auch in der Kleidung. Wer Erfolg haben will, sollte sich die entscheidenden Fragen also strategisch vorher stellen, um dann später, im persönlichen Kontakt, die Natürlichkeit zu besitzen, die nur ein gut angezogener Mensch haben kann. »Relax – you're dressed« beschreibt dieses Phänomen sehr treffend, wie ich finde. Ein weiteres zentrales Thema meines Buches ist aber auch die Eleganz des Geistes, die Wertschätzung, die Mann oder Frau anderen entgegenbringt. Denn sie macht aus einem stilvoll gekleideten Menschen erst eine Persönlichkeit mit Charisma.

Was halten Sie von der Frauenquote für Führungspositionen?
Ich habe länger gebraucht, um meine eigene Position in dieser Frage zu finden: Für große Konzerne halte ich eine Quote für sinnvoll, einfach weil die besten Vorhaben sonst im Daily Business untergehen, wenn man sie nicht definiert. Immerhin reden wir ja auch nicht von einer 50-Prozent-Quote, sondern von 20 bis 25 Prozent. Dieser Frauenanteil lässt sich sicherlich am Markt ohne Kompetenzdefizite decken. Für kleine und mittlere Unternehmen würde ich eine freiwillige, unveröffentlichte Quote gut finden – schon damit sich diese Unternehmen mit ihrem Nachwuchspotenzial differenziert befassen und vielleicht auch überlegen: Was können wir tun, um als Branche noch attraktiver zu werden? Für Frauen und Männer?

Was für Erfahrungen haben Sie selbst oder eine Ihrer Klientinnen mit einem »falschen Businesslook« gemacht?
Zusammenfassend kann man sagen, dass zu modische oder zu feminine Aussagen in der Kleidung von Businessfrauen dazu führen, dass sie nicht ernst genommen werden. Das will keine Frau riskieren, die Karriere machen will. Der totale Rückzug aus der Attraktivität ist aber die falsche Reaktion. Er würde auf Seiten der Geschäftspartner zu dem falschen Schluss führen, dass hier mit wenig Originalität und viel unreflektierter Zustimmung zu rechnen ist. Moderne Unternehmen brauchen aber nicht nur Ja-Sager, sondern Inspiration, Weitblick und gleichzeitige Bewahrerqualität – Eigenschaften, die viele Frauen reichlich mitbringen.

Welche Feedbacks bekommen Sie von ehemaligen Klienten?
Die letzte Seminarkritik: »Das beste … Firmenseminar, das ich bisher hatte.« Und: »Am Ende des Tages wollte auch eigentlich noch keiner so recht gehen.« Diese Feedbacks kann ich ohne Eitelkeit und mit viel Freude weitergeben. Das Spannende an Kleingruppen-Seminaren ist neben der Vermittlung von echtem Wissen rund um Linie, Proportionen, Stil und der Darstellung der eigenen Persönlichkeit auch der motivierende und teambildende Aspekt. Kleidung geht buchstäblich »an die Wäsche«. Gemeinsam – und natürlich einfühlsam – über Kleidung und Ausstrahlung, die Wahrnehmung der Anderen im Vergleich zum Selbstbild und die eigene Rolle in der Firma zu sprechen, verbindet sehr. Viele verstehen in dem Moment erst, was sie ausstrahlen. Und was wir im Seminar besprechen, bleibt natürlich im Raum! Ich mache auch Einzelcoachings. Wenn ich sage, dass einige von ihnen seit Jahren bei mir sind, mich immer wieder um Meinung bitten und teilweise auch freundschaftliche Kontakte entstehen, ist das an sich ein Feedback.

Beraten Sie auch Männer?
Selbstverständlich. Gerade Männer gehen an das Thema Kleidung unemotionaler heran und können Beratung gut annehmen – vorausgesetzt, sie haben die Notwendigkeit erkannt und etwaige Hemmschwellen überwunden.

Welche Frauen, die heute öffentlich auftreten, haben Ihren Stil abseits des langweiligen Business Outfits gefunden?
Christine Lagarde wird da immer wieder gerne genannt. Sie hat die entspannte Eleganz einer Französin. Innerhalb Deutschlands enthalte ich mich der Stimme. Die jüngste Diskussion über die geöffnete weiße Bluse von Maria Furtwängler auf dem Titel des Manager Magazins (Ausgabe Juli 2012) zeigt, dass wir mit Attraktivität noch nicht wirklich umgehen können. Es gibt Frauen, deren Ausstrahlung über die Unterstellung der weiblichen »Anmache« erhaben ist. Frau Furtwängler ist so ein Typ. In meinem Buch formuliere ich es so: »Frau ja – Weibchen nein.«

Welche Frau würden Sie zu gern einmal beraten?
Die Frau, die meinen Rat sucht und auch annehmen kann. Ungefragt gebe ich keine Tipps.

Angenommen, sie haben zwei Frauen als Klientin, beide auf gleicher hierarchischer Ebene, aber mit unterschiedlichen Aufgaben, sagen wir: Abteilungsleiterin und Verkauf. Würden Ihre Tipps sich unterscheiden?
Ja, absolut! Kleidung sollte immer empfängerbezogen sein und dabei die Persönlichkeit berücksichtigen. Die zwei Frauen können in ihrer Ausstrahlung schon mal nicht gleich sein– und haben unterschiedliche Zielgruppen. Also ändert sich die Kleiderstrategie.

Funktionieren Ihre Tipps für jede Branche? Auch für die Modebranche?
Es gibt stilistisches Allgemeinwissen, das dann aber richtig angewandt und übertragen werden muss. Insofern funktionieren sie immer – bei der richtigen Anwendung. Meine Ausbildung kann die Beratungsqualität eines Modehauses stark anheben, was in dem Moment Sinn macht, in dem Umsatzsteigerungen über die Frequenz nicht mehr zu generieren sind. Dann muss man den Kundenbon steigern – und zwar so, dass der Kunde gut beraten ist, dies auch erkennt und gerne wiederkommt. Das ist der Vorteil, den der stationäre Handel vor dem Internetverkauf immer haben wird. Die Umsetzung in anderen Branchen verlangt eine sensible Auseinandersetzung mit ihren Gepflogenheiten. Von meinen Firmenkunden erbitte ich immer ein ausführliches Briefing.

Welche Stilgeheimnisse von früher sollte man heute unbedingt noch berücksichtigen?
Beispielsweise den respektvollen Umgang mit Textilien. Kleidung sieht einfach besser aus, wenn sie auch gut behandelt wird. Manche Verbraucher wissen aber heute kaum noch, wie man Wäsche richtig wäscht. Außerdem gilt ungebrochen die großmütterliche Weisheit: Schwarz macht älter. Das kann gewollt – aber auch unerwünscht sein.

Ihre Top 3 Dos and Don'ts für bzw. gegen den Business Chic?
Dann lieber »für«! Positive Formulierungen sind mir lieber. Erstens: Schauen sie sich immer auch von hinten an! Das erspart Ihnen manche Peinlichkeit. Zweitens: Tragen Sie (als Frau) Schuhabsätze nur so hoch, wie Sie souverän darin gehen können. Alles andere kostet Sie Ihre kompetente Ausstrahlung. Drittens: Passform vor Preis. Das schickste und teuerste Outfit zeigt wenig Wirkung, wenn es nicht sitzt. Dagegen kann ein weniger teures Ensemble, das jedoch perfekt sitzt, bestechend sein.

Wie kann der Handel von Ihren Erkenntnissen profitieren?
Indem er »Frauen im Geschäftsleben« gezielter anspricht. Hinsichtlich Warenangebot und Beratungsbedarf, Einkaufszeiten und -orte sowie Ideen für Zusatzverkäufe und Zusatzangebote gibt es noch beträchtliches Potenzial. Die Businessfrau braucht auf dem Weg nach oben Partner an ihrer Seite, auf die sie sich verlassen kann. Die richtige Kleidung und die entsprechende Beratung sind wichtige Begleiter. Die weibliche Führungskraft ist eine Zielgruppe, die noch viel zu schwach bedient wird, dabei aber sehr zahlungskräftig und entscheidungsfreudig ist. Man muss nur verstehen, wie sie »tickt« …

Autorin: Denise Fischer

Weblink: anangu.de

Katharina Starlay im Gespräch


»Zum 90. Geburtstag von Queen Elisabeth II.«
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»Von der Sorgfalt der Auswahl«
Interview viaWALA 18 (2015) (Artikel als PDF)

»Neues Jahr, neuer Stil«
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»Vorsicht Fehlkäufe«
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»Am Po muss sie passen«
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»Mit Grazie und Stil durch die Ballnacht«
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»Modedesignerin Katharina Starlay verrät Stilgeheimnisse«
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»Die richtige Kleidung ist ein Partner auf dem Weg nach oben«
Anangu – Fashion. Lifestyle. Networking vom 1.8.2012 (Artikel als PDF)

»Die Frau soll attraktiv auftreten«
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