Katharina Starlay im Gespräch

Tiroler Tageszeitung vom 13. Januar 2013
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Mit Stil und Grazie durch die Ballnacht

Aschenputtel hatte eine Fee, um ballfein zu werden. Wer die nicht hat, braucht den richtigen Rat. Stilexpertin Katharina Starlay im TT-Gespräch über die „Casualisierung“ der Mode, zu viel Haut auf dem Tanzparkett und den Fauxpas, der das schönste Ballkleid zerstören kann.

Das gesellschaftliche Parkett ist rutschig, besonders in der Ballnacht. Gerade die Kleidung verrät gnadenlos, wie fit wir in Sachen Etikette eigentlich sind. Die Autorin Katharina Starlay will mit ihren Tipps zu einem stilsicheren Auftritt verhelfen.

Wie festlich muss die Ballkleidung sein?
Katharina Starlay: Konventionen gehören zu einem festlichen Anlass, aber es gibt zurzeit auch einen Umbruch. Die Kleidung erfährt gerade eine „Casualisierung“. Menschen in den Mittvierzigern haben eine größere Sehnsucht nach legerer Mode. Die unmittelbare Reaktion der jüngeren Generation darauf ist ein Trend hin zu traditionellerer Kleidung. Da gibt es eine regelrechte Lust sich „aufzubrezeln“.

Wie viel Haut darf die Dame zeigen?
Starlay: In Europa verwechseln wir „Haut zeigen“ gerne mit Attraktivität. In Asien ist es genau anders rum. Haut als Hingucker ist auf jeden Fall gut, aber man muss wissen, wie viel. Wer ein schönes Dekolleté hat, braucht keinen tiefen Rückenausschnitt dazu. Und natürlich ist es eine Frage des Alters. Je reifer eine Dame ist, desto schlichter soll das Kleid sein.

Das würde Vivienne Westwood wohl anders sehen ...
Starlay: Die ist auch ein eigener Typ. Es gibt Typen, die können sich das leisten. In einem gewissen Alter sollte man einfach wissen, was einem steht und nicht seine Nachteile betonen. Einer jungen Frau verzeiht man Fehltritte eher, das ist später nicht mehr so.

An welche Dinge kann man sich halten?
Starlay: Ganz klare Regelungen sind die Dresscode-Kategorien „Black tie“ und „White tie“. Erstere verlangt vom Herren Smoking, im zweiten Fall geht es um sehr festliche Bälle, da wird eine weiße Fliege mit Frack verlangt. Für die Damen gilt in solchen Fällen immer bodenlanges Kleid, egal wie schön die Beine sind.

Was tun, wenn ich unsicher bin, ob ich die richtige Wahl getroffen habe?
Starlay: Ein simpler, aber effektiver Trick ist es, sich selbst zu fotografieren. Kleidung sollte empfängerorientiert sein. Wenn Sie sich selbst fotografieren, haben sie ein Bild davon, wie andere sie sehen. Das hilft ungemein bei der Entscheidung.

Ist auf einem Ball Modeschmuck erlaubt oder muss alles echt sein?
Starlay: Nicht alle Frauen haben Erbstücke im Schrank oder das Geld für teuren Schmuck. Ich finde gut gemachten Modeschmuck absolut akzeptabel. Guter Stil und gutes Aussehen sind keine Frage des Budgets.

Ist ein Diadem erlaubt oder ist das nur was für royale Häupter?
Starlay: Dabei denke ich an die Monarchie, den Lorbeerkranz des Cäsar und kirchliche Würdenträger. Ganz ehrlich, ich denke, das ist zu hoch gegriffen, ich würde davon abraten. Aber es kann ja auch ein Stirnband im 20er-Jahre-Stil oder ein Hut sein.

Wie hoch soll oder darf der Damenschuh sein?
Starlay: Niemals flacher oder klobiger Absatz. Die Dame sollte darin aber gut gehen können. Ein guter Tipp sind echte Tanzschuhe. Sie haben eine andere Statik und der Fuß fühlt sich wohl. Von Ballerinas rate ich schon deswegen ab, weil keine Frau der Welt damit einen schönen Gang hat.

Was ist der schlimmste Ballmode-Fauxpas?
Starlay: Hingucker zu zeigen, die keine mehr sind, wie zum Beispiel nicht mehr so junge weibliche Oberarme. Außerdem sollte man einen Ball nicht mit einem Identitätswandel verwechseln. Wer untertags eine Businessfrau ist, sollte abends nicht komplett verrüscht daherkommen. Darunter leidet das Image. Da wurde dann Kleiden mit Verkleiden verwechselt. Das kann man bei deutschen Politikerinnen immer wieder beobachten.

Was muss ein Mann modisch beachten?
Starlay: Männer dürfen ungestraft jedes Jahr denselben Anzug tragen. Aber die Passform muss unbedingt stimmen. Und Achtung bei Accessoires. Ein Kummerbund kann bei einer so genannten Gourmetwölbung den Bauch noch mehr betonen. Man sollte sich wohl fühlen. Nur dann gelingt der souveräne Auftritt. Insofern rate ich zum Probetragen.

Kann auch ein junger Mann schon einen Frack tragen?
Starlay: Ja, natürlich, der Dresscode gilt für jeden im Erwachsenenalter.

Kann ein Mann auch overdressed sein?
Starlay: Ein Zylinder wäre ein Beispiel, das hängt dann tatsächlich ein wenig vom Alter ab. Grundsätzlich sind Hüte aber nach wie vor auf dem Rückzug, da sie die Frisur ruinieren. Man sieht sie nur bei Anlässen wie in Ascot, wo es eben dazugehört.

Ihr schlimmstes Nogo auf einem Ball?
Starlay: Wer schicke Kleidung trägt, erfährt ein Anheben des Selbstwertgefühls, das sollte aber nicht in Überheblichkeit gegenüber der Bedienung ausarten. Herablassung ist absolut stillos. Vielmehr sollte das gute Benehmen jedes schöne Kleid adeln.

Das Gespräch führte Andrea Wieser

Weblink: Tiroler Tageszeitung online

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