Katharina Starlay im Gespräch

DPA – Interview April 2014
(Artikel als PDF)

Kleidung in der Schwangerschaft

 

Kann man seinen Stil weiter durchziehen, wenn man schwanger ist? Wenn ja - wie?

Natürlich kann man das, denn der Stil hat mit der Persönlichkeit zu tun, nicht mit dem Zentimeterumfang der Kleidung. Man bleibt also ein sportlicher, legerer, klassischer oder avantgardistischer Typ – auch in der Schwangerschaft. Die Materialien, die man trägt, richten sich nach der Körpersilhouette, die stilistischen Details nach dem Typ. Als sportliche Frau zum Beispiel bleibe ich also bei griffigen, strukturierten Stoffen, Karos, Streifen und sportlichen Elementen wie Manschetten, Knöpfen in Kontrastfarben, kontrastierend abgesteppten Nähten etc. Wegen der weicheren Körpersilhouette aber wähle ich in dieser besonderen Phase eher softe Materialien, die mir erstens ein besseres Wohlgefühl vermitteln und zweitens nicht so kompakt wirken wie feste, steifere Materialien. „Umschmeicheln des Körpers“ ist die Aufgabe, die Kleidung in den Monaten zu erfüllen hat. Das heißt, dass die Stücke, die nah am Körper getragen werden, eine hohe Elastizität brauchen, je nach Jahreszeit also aus Strick, Jersey oder hochelastischen Mischgeweben sind. Kurz gesagt: Stretch ja, Zelt nein.

Dennoch sollte Frau im Beruf darüber auch Kleidungsstücke tragen, die eine gewisse Formalität geben. Eine Schwangerschaft ist kein Freibrief für Jogginghosen und Schlabberpullis im Büro. Für die Corporate Fashion Kollektion eines Kunden habe ich zum Beispiel einmal Schwangerschaftskleidung als Uniformteile entworfen: Ich hatte schon in der Standardausstattung einen zweireihigen Longblazer vorgesehen, der – offen getragen, was in dieser Ausnahmesituation auch mit einem Zweireiher geht – einen Mama-Bauch schützen kann. Dazu gab es später eine Schwangerschaftsbluse mit Manschetten, eine schmaler Hose mit komplett elastischer Bauchpartie und ein Strickkleid mit Schal, außerdem eine ausgestellte Tunika, die unter der Brust mit einem Knopf geschlossen wurde und einen weitenverstellbaren Riegel hatte. Wo sie vorne aufsprang, wurde der stolze Babybauch sichtbar.

Manche Frau fühlt sich in der Zeit auch wohl, wenn sie Anleihen im Herrenkleiderschrank macht, z.B. ein schlankes Herrensakko über der offen getragenen Longbluse. Die durch Einlagen festere Brustpartie der HAKA (Herrenkonfektion) kaschiert die Oberweite, was manche werdende Mutter schätzt. Das setzt allerdings voraus, dass sie nicht zu klein oder zierlich ist, sonst „ertrinkt“ sie in den großen Teilen.

Worauf sollten Frauen achten, wenn Sie Umstandsmode kaufen, damit sie sich modisch wohlfühlen?

Auf alle Fälle auf nicht zu niedliche Muster und Farben, damit der Look nicht rüschig wird. Feminität bei den Materialien ja, bei den Dessins nein. Wenn die Füße nicht geschwollen sind, kann ich ruhig einen schmalen, elastischen Rock mit schicken Schuhen oder Stiefeln kombinieren. Wenn aber doch, ist eine unten weite Hose besser, die mir mehr Freiheit in der Wahl der Schuhe lässt, weil man sie unter dem Saum kaum sieht. Schmale Hosen in Zigarettenform dagegen betonen die Schuhe, statt sie zu verstecken.

Die Accessoires dürfen auffällig und lebendig sein, auch in den Farben – gerade, wenn man sich gelegentlich blass fühlt. Man kann auch viel mit Schals und Drapierungen machen und damit die Schwangerschaft regelrecht inszenieren. Viele Frauen zeigen ja ihren Bauch ausgesprochen gerne, warum auch nicht?

Sexy oder lieber unauffällig – wie weit kann man als Schwangere gehen ohne Anstoß zu erregen?

Ganz simpel: Körpernah ist sexy, Haut zeigen nicht. Wenn mein T-Shirt über dem Bauch nach oben rutscht, trage ich eben etwas darüber, das die Haut bedeckt. Im Grunde genommen gelten von der Angezogenheit her die gleichen Spielregeln wie für Nicht-Schwangere. Also: Frau ja, Weibchen nein. Beine zeigen, Dekolleté aber nicht. Oder umgekehrt: Dekolleté zeigen, aber zur Hose kombinieren. Es gibt Dinge im gesellschaftlichen Miteinander, die wir von unseren Gesprächspartnern nicht unbedingt wissen wollen. „Zuviel Information“ durch knappe Kleidung ist genauso aufdringlich und peinlich wie intime Geschichten im Small Talk. Bevor ich mich entblöße, sollte ich also vom Empfänger aus denken und mich fragen, welche optischen Informationen ich von anderen bereit bin zu sehen.

Welche Trends gibt es bei festlicher Kleidung, welche bei Business?

Festlich wirken fließende und glänzende Gewebe ohne viele Pailletten, welche leider oft einen billigen Touch haben. Da ein Abendkleid für Schwangere naturgemäß weniger auf den Schnitt setzen kann, ist hier das Material umso wichtiger. Es sollte ein Stoff sein, der allein eine Aussage hat, und eine Farbe, welche die Haut zum Leuchten bringt. Das berührt dann wieder die Farbtypfrage. Eine stilvolle Frau kennt ihre Farben. Im Business darf die professionelle Ausstrahlung nicht hinter der Schwangerschaft zurück stehen. Eine Frau ist eben nicht „nur“ schwanger, sondern „auch“ schwanger, dabei aber immer noch eine ernst zu nehmende Geschäftspartnerin, Chefin oder Arbeitskraft.

 

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