Katharina Starlay im Gespräch

DPA – Interview Oktober 2014
(Artikel als PDF)

Wintermäntel 2014

Die Fragen stellte Andrea Abrell

A.A.: Welche Formen setzen sich bei den Mänteln für modebewusste Frauen in diesem Winter durch?

K.S.: Das Modebild beginnt mit klassischen Wollmänteln in dunklen Neutraltönen wie Grau oder Schwarz – oder aber Camel, welches diesen Winter eine wahre Renaissance erlebt. Den camel-farbigen Blazermantel sieht man momentan in allen Frauenzeitschriften, Stores und Internetshops. Weiterhin sehen wir maskuline, kastige Schnitte im Stil der 80-er Jahre, teils offener geschnitten wie ein Cape. Die sind aber wirklich nur etwas für Frauen mit einer geraden Körperlinie. Für Frauen mit Taille sind diese Formen nichts!

Webpelze bzw. flauschige Warenoptiken und Indio-Capes runden das Bild ab. Gerade volumige Stoffe sollten in neutralen oder dunkleren Farben sein, damit die Trägerin darin nicht „plüschig“ wirkt. Für einen Flauschmantel in Trendfarbe Nude zum Beispiel muss Frau sehr jung, hübsch und super-schlank sein, damit es gut aussieht.

Schöne Details sind Oversize-Collars im XL-Format, Krägen in anderen Materialien, z.B. in Felloptik, und Materialmix wie Leder(-imitate) kombiniert mit Wollstoff. Das stellt allerdings höhere Anforderungen an die Qualität der Reinigung, weil die Stoffkomponenten unterschiedliches Reinigungsverhalten haben können. Gerade echtes Leder braucht eine speziell auf die Tierhaut abgestimmte Behandlung.
Auffällig ist, dass sich alle Mantellängen bei den Damen dieses Jahr zwischen Hüft- und Knielänge abspielen, was den gewichtigen Schnitten geschuldet ist – die muss Frau nämlich auch tragen können! Parka- und gesteppte Mäntel sind deutlich zurückgegangen.


A.A.: Was trägt der moderne Mann in der kalten Jahreszeit?

K.S.: Der am Modebild orientierte Mann findet sich diesen Winter in kürzeren und oft stärker auf Figur geschnittenen Trenchcoats oder Anorak-Typen wieder, die meist in dunklen Farben wie Schwarz, Grau, Marine und Schlamm gehalten sind. Parkas haben öfter auch einen Webpelz-Kragen. Stepp finden wir als Element an Taschen und Nähten, Riegeln und Krägen – die flächige Steppung von wattierten Verbundstoffen gibt es dieses Jahr aber kaum noch. Wichtig zu wissen: Die sportlichen Parka-Formen passen zum Business-Anzug nicht.

 

A.A.: Worauf sollte ich beim Kauf eines Mantels achten?

K.S.: Die erste Entscheidung ist die des Materials und der Stilrichtung, beides richtet sich nach dem Einsatzgebiet. Einen Mantel, den ich für das Geschäftsleben und den Weg von A nach B brauche, muss ganz andere Anforderungen erfüllen als ein Coat, der mich auf langen Spaziergängen durch die Natur bei Wind und Wetter schützen soll. Der Ruf nach Verzicht auf umweltbelastende Stoffe oder Ausrüstungen kommt sehr schnell an Grenzen, wenn das Kleidungsstück absolute Wasserdichte und windabweisende Eigenschaften mitbringen soll. Dann werden auch die Nähte nicht mehr genäht, sondern geschweißt.

Aber bleiben wir mal bei normalen Einsatzgebieten: Wer mit U-Bahn, Bus oder Auto unterwegs zu oder von der Arbeit ist, braucht lediglich einen normalen Wetter- und Kälteschutz, dafür aber die Garantie, dass ihn oder sie der Mantel nicht ins Schwitzen bringt. Überhitzt anzukommen ist nämlich kein schöner Beginn für ein Businessmeeting oder ein Vorstellungsgespräch – schon gar nicht, wenn die Unsicherheit, ob man etwa auch verschwitzt riechen könnte, das Selbstbewusstsein mindert. Natürliche Fasern wie Woll- oder woll-Mischgewebe mit (wichtig!) Futterstoffen aus Viscose/ Acetat statt reinem Polyester und in klassischen Schnitten sind hier die bessere Empfehlung.

Außerdem ist und bleibt die Verarbeitung wichtig: Der Mantel ist die äußerste Hülle, die als erstes beim Betrachter ankommt – egal, wie stilvoll das Outfit darunter ist. Er sollte zur Gesamterscheinung und zum Anlass passen, schöne Details aufweisen und auch bei näherem Hinsehen wertig wirken. Herabhängenden Nahtenden, lose angenähte und billige Knöpfe, wellende Reißverschlüsse oder herabhängende Säume sind kein Kompliment für den Träger oder die Trägerin.

Ich empfehle auch gerne, den Mantel in einem helleren Basiston der eigenen Farbpalette zu wählen, damit er mit allen Neutralfarben der Grundgarderobe harmoniert. Ein dunkelgrauer Mantel zum Beispiel kann mit dem marinefarbigen Anzug sehr finster aussehen. Schöner ist ein Silbergrauer oder der erwähnte Camel-farbige oder auch ein Rot, mittleres Blau oder ein Grünton, der mir steht. In helleren Nuancen wirkt die manchmal fahle Winterhaut auch weniger müde. Oder Offwhite, manchmal auch Winterweiß genannt: Dieser softe Ton steht jedem und passt gut in eine Frauengarderobe. Allerdings ist die helle Farbe schmutzanfällig, genauso übrigens wie das trendige „nude“. Ein cremeweißer oder farbiger Schal aber ist eine gute Idee, nicht nur für Frauen.

 

A.A.: Welcher Manteltyp passt am besten/am schlechtesten bei folgender Figur?

K.S.: Klein oder kräftig: Auf Längsbetonung achten!
Hier sind streckende, schmale Schnitte wichtig, die keine Querbetonung aufweisen sollten. Volumige, flauschige Materialien können erdrücken oder auftragen. Kleine, zierliche Figuren bekommen mehr räumliche Präsenz durch prägnante und helle Farben, Menschen mit mehr Gewicht, die nicht sehr groß sind, fühlen sich besonders in klassischen Formen und Unis wohl, die aber durchaus lebendig in der Farbe sein dürfen – nur nicht gemustert.

Die kastigen Formen im 80-er Jahre Retro-Stil sind für kleine Frauen zu wuchtig.

K.S.: Groß: Bodenhaftung behalten!
Der hochgewachsene, schlanke Körperbau kann Fell- und Flauschoptiken besonders gut tragen. Dazu allerdings schmale Hosen kombinieren! Generell sollten Stoffe hier griffig und strukturiert sein oder können auch ein großzügiges Muster haben. In manchen Kollektionen finden sich zum Beispiel ausdrucksstarke Karos. Elementar wichtig ist für große Leute, dass die Gesamtlänge stimmt und auch die Ärmel unbedingt lang genug sein sollten, also etwas länger als Handgelenkwurzel. Im Moment nicht im Trend, aber klasse an großen Personen: Der knöchellange, leicht taillierte Mantel, der unten leicht ausgestellt ist.

K.S.: Schmale Schultern/breite Hüften: Nach oben denken!
Alles, was A-förmig oder kastig ist, lässt schmale Schultern noch schmaler erscheinen. Drapierte Schals und große Krägen funktionieren gut, genauso wie formelle Schnitte, die der Schulter Kontur geben.

Bei einer femininen Hüfte ist wichtig, dass keine Mantel-, Jacken und sonstige Länge an der breitesten Stelle endet. Längere, streckende und nicht zu enge Schnitte mit großzügigen Kragenlösungen sind vorteilhaft.

K.S.: Großer Busen: Betonung verlagern!
Ähnlich wie ein T-Shirt, dessen Ärmel auf Höhe des Brustpunktes enden, Gift für jede Frau mit weiblicher Oberweite ist, sollte auch kein Schulter-Cape auf dieser Höhe enden, sondern sollte den Körper großzügig umhüllen.

Bei körpernah geschnittenen (Blazer-)Mänteln – und eigentlich auch allen anderen Kleidungsstücken, insbesondere Blusen! – ist die Platzierung der Knöpfe besonders wichtig: Einer muss auf Höhe des Brustpunkts platziert sein, und insgesamt sollten auch die Knopfabstände nicht zu groß sein, damit der Mantel bei aufrechter Haltung und in der Bewegung nicht aufsperrt. Das bedeutet für den Damenmantel automatisch, dass die Knöpfe nicht zu plakativ sein sollten, weil besonders der auf Brusthöhe sonst putzig wirkt. Außerdem sind tiefe Revers und einreihig geschlossene Mäntel vorteilhaft.
Ansonsten sind Capes, lässig fallende Mäntel und Jacken schmeichelnd, wenn die Beine lang genug sind, die besagten schmalen Hosen dazu kombiniert werden und der Stoff nicht zu voluminös ist. Toll kann dafür ein Stilelement oder eine Blende am Saum sein, wenn es in der Bewegung die Hüfte umspielt. Das lenkt den Blick.

 

13. Oktober 2014, Katharina Starlay

 

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