Katharina Starlay im Gespräch

Frankfurter Neue Presse 27. Dezember 2014
(Artikel als PDF)

Vorsicht Fehlkäufe

Schnäppchenjagd nach Weihnachten: Stilberaterin Starlay gibt Tipps für das clevere Konsumieren

Heute werden viele Gutscheine eingelöst, Geschenke umgetauscht – manche Shoppingfans sind auch schon auf Schnäppchenjagd, weil nach dem Fest die Preise sinken. Worauf Kunden etwa beim Einkaufen von Kleidung achten sollten, verrät Katharina Starlay. Sie ist studierte Modedesignerin, Imageberaterin, Stilcoach, Mitglied im Deutschen Knigge-Rat und Autorin des Buches „Clever konsumieren“.

Wir alle kaufen gern, wenn jetzt nach Weihnachten die Preise sinken. Warum konsumieren wir oft nicht clever?

KATAHRINA STARLAY: Weil die Leute glauben, ein Schnäppchen zu machen, wenn sie günstige Waren kaufen. Das machen sie aber erst, wenn hochwertige Produkte günstiger angeboten werden, nicht wenn diese von vornherein billig sind. Wir lassen uns zu oft nur vom Preis verführen und kaufen Dinge, die wir nicht brauchen oder die uns nicht stehen. Gerade modische Textilien, die sich als Fehlkauf herausstellen, landen dann in den Tiefen des Schranks. Das Geld dafür hätten wir besser für andere Kleidungsstücke und mehr Qualität ausgegeben.

Lässt sich Qualität wirklich immer am Preis festmachen?

STARLAY: Leider nein.

Wie lassen sich also Fehlkäufe bei Kleidungsstücken vermeiden?

STARLAY: Was die Verarbeitung angeht, gibt es markante Stellen, an denen auch ein Laie Qualität einschätzen kann: Gleichmäßige Taschen und Paspeln, glatte Nähte, die nicht wellen, und eine schöne Innenverarbeitung etwa geben ein gutes Bild ab. Dagegen sind herabhängende Fäden an den Nahtenden kein gutes Zeichen. Ein stilistischer Fehlkauf lässt sich vermeiden, wenn man sich mit seinem Typ befasst und gelernt hat, was einem steht.

Der mündige Kunde soll sich über Produkte gut informieren. Wie lässt sich das bei Zeitmangel umsetzen?

STARLAY: Gerade weil es oft schnell gehen muss, ist ein Grundwissen über Waren wichtig. Mein Buch liefert deswegen kompakte Information zu allen Produkten, die schön machen – Textilien, Accessoires und Statussymbole, Lederwaren und Beautyartikel. Im Internet gibt es zwar auch viele Informationen, aber die werden dort oft mit Werbung vermischt.

Es verändert sich auch viel, etwa im Bereich der Funktionskleidung. Woher weiß man, wie viel Chemie in einem Kleidungsstück steckt, das plötzlich so viel mehr Vorzüge hat?

STARLAY: Die Frage nach der Verträglichkeit stellt sich immer dann, wenn Fasern in Eigenschaften gezwungen werden, die ihnen nicht liegen. Ein Beispiel dafür sind bügelfreie Hemden. Baumwolle ist von Natur aus nun mal nicht knitterfrei. Wenn man das erreichen will, muss man sie mit Chemikalien behandeln. Das können viele nicht mehr richtig einschätzen. Wer etwas nicht verträgt, sollte sich fragen, wie viele Behandlungen die Faser erhalten hat.

Sie schreiben, dass guter Stil den verantwortlichen Umgang mit Menschen und Ressourcen einschließt. Wie kann eine Mutter das einem Teenager vermitteln, der bei einer Billigkette wie Primark einkaufen will?

STARLAY: Bei Teenagern spielt die Gruppendynamik eine große Rolle. Da hilft es, ihr Selbstbewusstsein zu stärken, damit sie dem widerstehen können. Die Mutter könnte ihrer Tochter auch erklären, wie wenig Geld ein Näher bekommt. Sie kann am Geruch und Griff von Billigwaren zeigen, wie viel Chemie meist in solchen Textilien steckt. Wenn der Teenager aber für all diese Argumente nicht empfänglich ist, kann die Mutter wohl nur darauf hoffen, dass er irgendwann selbst zu dieser Einsicht gelangt.

Stimmt der Eindruck, dass es immer weniger Verkäuferinnen gibt, die Kunden gut beraten können?

STARLAY: Ja. Das liegt daran, dass sich der Handel verändert hat, nicht nur durch das Internet, sondern er wird auch getrieben von Kostendruck und Effizienz der Flächenbewirtschaftung. Das Personal wird – wie in anderen Branchen auch – als der teuerste Faktor angesehen. Daran wird gespart, entweder über Löhne, Ausbildung oder die Anzahl der Mitarbeiter. Gute Beratung sollte dem Handel – und uns Verbrauchern! – aber wieder etwas wert sein.

Wie beurteilen Sie das Einkaufen von Mode im Internet?

STARLAY: Jeden Artikel, den man fühlen, riechen und auf seine Qualität hin überprüfen möchte, sollte man im Laden kaufen. Ich habe kürzlich in einer Ausschreibung nach dem „größten Shopping-Unfall“ gefragt, und in 95 Prozent der Antworten war ein Internetkauf die Ursache. Toll ist das Netz allerdings, wenn es um den Nachkauf erprobter Produkte geht.

Was gehört zur Grundgarderobe?

STARLAY: Das kommt auf den Lebensstil an. Am besten, man macht sich eine Liste, was man braucht, um eine Woche seines Lebens kleidungstechnisch zu überstehen, ohne etwas zweimal anzuziehen. Bei einer Managerin sind das etwa Businesskostüme und Hosenanzüge, dazu braucht sie Kleidung für Hobbys, Familie und besondere Gelegenheiten.

Warum sind Statussymbole für die Menschen heute so wichtig geworden, und ist die Fixierung darauf clever?

STARLAY: Statussymbole dienen der Orientierung. Man konnte früher von ihnen auf Erfolg und Vermögen schließen. Heute aber lässt sich alles „auf Pump“ beschaffen, und mancher macht aus der Kleidung eine VERkleidung, die mehr darstellen soll, als da ist. Für mich sind eher guter Stil und die Eleganz des Geistes Qualitätssymbole.

Was verraten Schuhe über ihren Besitzer?

STARLAY: Sie erzählen etwas über seinen Gang und seine Bereitschaft, die Schuhe zu putzen. Ich beurteile Menschen nicht nach ihren Schuhen, aber wenn sie außergewöhnlich abgetragen sind oder gar nicht zum Outfit passen, fällt das natürlich auf. Generell gilt bei Kleidung: Es fällt immer auf, wenn etwas nicht passt.

Warum ist das Alter einer Frau heute an der Art zu erkennen, wie sie ihre Handtasche trägt?

STARLAY: Die jungen Frauen bis etwa Mitte 20 tragen sie über dem angewinkelten Arm, das stammt wohl aus der Serie „Sex and the City“. Meine Generation über 40 hat die Handtasche über die Schulter gehängt und noch gelernt, dass sie bis zur Hüfte reichen soll. An diesem Beispiel kann man gut erkennen, dass solche Phänomene marktgetrieben sind und nicht einem natürlichen Bedürfnis entspringen.

Wenn Sie sich zwischen einem neuen Kleidungsstück, Make-up, Parfum oder einer Tasche entscheiden müssten: Was würden Sie wählen?

STARLAY: Eine Tasche fürs Leben, ein Unikat, denn ich liebe das Einmalige. Make-up und Parfum sind auch toll, spiegeln aber Moment, Stimmung und Zeitgeist wider.

Muss jemand erst zu sich selbst finden, um ein wirklich cleverer Konsument zu werden?

STARLAY: So ganz zu sich selbst gefunden hat man doch nie. Das Leben lässt uns zum Glück immer wieder neue Facetten an uns selbst und anderen entdecken. Aber wenn man sich beobachtet und sich immer wieder überlegt, was man in seinem Alltag wirklich braucht, dann kann man clever konsumieren. Je klarer das Bild von mir selbst und meinen echten Bedürfnissen ist, desto geradliniger komme ich durch den Angebotsdschungel.

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